Android-Sperre für Huawei – was kann der chinesische Hersteller jetzt tun?

Am Freitag, dem 17. Mai 2019, hat die US-Regierung Huawei auf die schwarze Liste gesetzt. Das heißt, Unternehmen in den USA dürfen nicht mehr mit dem chinesischen Konzern zusammenarbeiten. Darunter befindet sich auch der Android-Entwickler Google, der das beliebteste mobile Betriebssystem weltweit baut. Schuld an dieser Maßnahme ist ein Handelsstreit zwischen den USA und China. Man wirft Huawei Spionage vor, die allerdings bislang nicht bewiesen werden konnte. Und was sind nun die Folgen beziehungsweise welche Möglichkeiten hat der Konzern nun?

Huawei-Besitzer werden wahrscheinlich keine neue Android-Version mehr sehen

Für bestehende Nutzer ändert sich im Prinzip nichts. Sie behalten die Google-Dienste und werden mit Sicherheitsupdates versorgt. Einschränkungen wird es allerdings bei neuen Android-Versionen geben, die man den Handybesitzern nicht mehr anbieten wird können. Android selbst ist zwar Open Source, allerdings nicht die Google-Dienste und dessen Anpassungen. Dafür benötigen die Hersteller eine Lizenz, die Huawei jetzt nicht mehr besitzt. Und ein Android ohne Play Store beziehungsweise ohne richtigen Schutz ist definitiv keine gute Wahl.

Noch schlechter sieht es bei eventuell kommenden Modellen aus, denn sie dürfen die Google-Dienste von Haus aus nicht mehr nutzen. Doch welche Wege kann der chinesische Hersteller jetzt einschlagen?

Frist von drei Monaten

Wenige Tage nach der Entscheidung lockerte man die Maßnahmen ein wenig. Genauer gesagt gewährte die USA eine Schonfrist von drei Monaten (90 Tagen), damit sich der Konzern und weitere betroffene Partner auf die neue Situation einstellen können. In diesem Zeitraum darf also noch kooperiert werden, auch mit Google. Für Huawei-Geräte bedeutet das: Updates werden noch im vollen Umfang verteilt. Auch besteht die Möglichkeit einer Verlängerung der Frist. Doch was passiert danach?

Huawei könnte die chinesische Vorgehensweise nach Europa bringen

Wie manche sicherlich wissen, sind in China die Google-Dienste von Haus aus gesperrt. Die Smartphones dort kommen mit eigenen Apps aus, sodass man größtenteils unabhängig vom Suchmaschinenriesen arbeitet. Theoretisch könnte das Unternehmen so auch in Europa vorgehen und die lizenzfreie Android-Version mit eigenen Apps bespielen. Praktisch besteht jedoch das Risiko, dass die Nutzer das so nicht annehmen. Nicht jeder würde sich darüber freuen, wenn der Store eine waschechte China-App wäre. Außerdem müsste man viel Zeit und Geld investieren, um die Google-Apps „vernünftig“ zu ersetzen.

Eigenes Betriebssystem

Huawei selbst sagt, dass sie sich auf so einen Schritt schon länger vorbereitet und einen Plan B haben. Das heißt in der Praxis: Der Konzern gibt die Arbeiten an einem eigenen Betriebssystem zu. Gute Nachrichten, allerdings besteht auch hier das gleiche Risiko wie zuvor. Man müsste wieder ohne die Google-Dienste auskommen und darauf hoffen, dass die Nutzer es annehmen. Nicht einfach, wie man in der Vergangenheit am Beispiel von Microsoft gesehen hat.

Rückzug aus Europa

Es steht natürlich auch im Raum, dass sich Huawei zurückzieht. Momentan kann noch keiner genau abschätzen, wie schwer die Chinesen dieser Schritt trifft. Stellt sich jedoch der Erfolg in Europa mit den Smartphones ein und lohnt sich nicht mehr, dann wäre ein Rückzug denkbar. Derzeit ist es aber zumindest die unwahrscheinlichste Lösung, denn das Unternehmen gibt sich kämpferisch.

Eine Versöhnung zwischen USA und China

Würde sich der Handelsstreit legen, dann wäre Huawei alle Probleme auf einen Schlag los. Man dürfte wieder mit US-Firmen kooperieren und Android im vollen Umfang nutzen. Aktuell sieht es allerdings so gar nicht danach aus, auch wenn eine Schonfrist eingeführt wurde.

Die Zukunft steht in den Sternen

Auch wen Huawei mittlerweile zu den größten Smartphone-Herstellern gehört, der Kauf der Geräte ist momentan nicht zu empfehlen. Bestehende und lagernde Modelle funktionieren zwar problemlos, doch langfristig gibt es eben keine Funktionsupdates mehr. Ein gewaltiger Nachteil, auch in Sachen Sicherheit. Auf die Preise bezogen wären die Handys jetzt sicherlich attraktiv, doch Updates spielen einfach eine wichtige Rolle. Außerdem gibt es noch keine Pläne, wie der chinesische Konzern weiter vorgeht. Es bleibt also spannend, was sich in der Handybranche nun verändern wird.